Rennbericht 6h against Blood Cancer

Rennbericht 6h against Blood Cancer

Für unser erstes Team Rennen haben Günther Heldt und Frank Herwig es sich nicht nehmen lassen, für den guten Zweck 6 Stunden gegen Blutkrebs zu fahren. Ohne jegliche Erfahrungen in Sachen Ausdauer Rennen haben wir uns in den Wochen vor dem Event, auf den Trainingsservern gut vorbereitet und waren nach über 500 Runden auch bereit für das Rennen. Wir wollten Erfahrung als Teamfahrer sammeln und hatten uns als Ziel gesetzt, im Ziel anzukommen, unabhängig von der Platzierung.

Da Günther der schnellere von uns beiden war, ist er auch die Qualifikation gefahren und hat trotz vollem Kurs eine gute 2:13:887 hingelegt. Es reichte zwar nur für den 53. und damit vorletzten Platz in der Gesamt- und Klassenwertung, aber dies zeigte nur, wie stark das Fahrerfeld war und wir nur zum lernen mitfahren würden.
[21:13]
Als Fahrer startete dann Frank Herwig und hat sich erstmal aus dem Startgetümmel rausgehalten und versucht das Auto in der ersten Runde sauber um den Kurs zu bekommen und seinen Rhythmus zu finden. Aber schon in Kurve 10 (Cunningham) drehte sich das Auto leicht beim rausbeschleunigen und wir waren beide froh, dass dieser Dreher nur einen kleinen Ausritt aufs Gras bedeutet. Also wieder rauf auf die Strecke und konzentriert weiter fahren.

So schien es bis zum Fahrerwechsel erstmal ein unspektakuläres Rennen für uns zu werden. Wir hatten in Runde 10 bereits 2 Runden Rückstand auf die Spitze der GT1 Klasse und waren das überrundet werden auch langsam gewöhnt. Generell schienen alle Fahrer lieber mehr Platz zu lassen, um den Spirit des Charity Events nicht zu verderben. Für Frank Herwig wurde aber das zu Dritt durch die 1. Kurve (Gendebien) zum Verhängnis. Eine ganz kleine Berührung von dem Heck des Wagens links neben mir, sorgte dafür, dass das Auto von mir nicht mehr zu halten und der Einschlag in die Streckenbegrenzung unvermeidbar war.

Jetzt hieß es erstmal das Auto wieder zurück an die Box zu bringen, ohne dabei anderen Fahrern ebenfalls das Rennen zu verderben. Also machte ich mich abseits der Ideallinie auf den langen Weg zurück. Wie Jim Knopf der Lokomotivführer qualmte mein Motor und sorgte dafür, dass nicht nur die Zuschauer am Streckenrand neben Grillgeruch endlich auch mal richtigen Motorsport zum Riechen bekamen, sondern auch die vorbei fahrenden Racer haben wir teilhaben lassen. Mein Wunsch an den Veranstalter: Das nächste Mal bitte Motorqualm in Teamfarben organisieren. 😉

Leider wussten wir beide nicht, dass man Fast Repair vor der Einfahrt in die Box einschalten muss. So hieß es dann erstmal 35 Minuten die Beine hoch legen und darauf warten, dass die Mechaniker das Auto wieder fit gemacht haben. Mit nun mehr als 10 Runden Rückstand auf den 53. Platz im Gesamtklassement machte ich mich dann wieder auf den Weg.

Aber wie das nun mal mit der Unglückszahl 13 als Startnummer ist. Egal wie vorsichtig man fährt, man wirkt wie ein Magnet auf die von der Bahn Schuppser. So dauerte es keine 2 Runden bis ich unverschuldet nochmal abgeschossen wurde und mein linkes Hinterrad bzw. die Achse dadurch schief waren. Das mit dem Auto aber etwas nicht mehr stimmte, merkte ich erst, als ich nach einer gefühlten Ewigkeit endlich mal eine Lücke erwischt habe, in der ich wieder zurück auf die Strecke konnte. Mein Auto fing gerade erst wieder an Fahrt aufzunehmen, als es dann nach rechts ausbrach und ich fast noch einen anderen Fahrer gerammt hätte. Also Fast Repair Haken rein und in die Box schleppen lassen.

Ich bin dann noch 11 Runden gefahren und mein 90 Minuten Stint näherte sich dem Ende.

In der Box hat dann Günther Heldt das Steuer übernommen und durfte dem Sonnenuntergang zu schauen. Die Lichtverhältnisse wurden langsam schwächer und die Streckentemperatur fiel allmählich. Wir hofften natürlich, dass die anderen Fahrer auch im Dunkeln gut auf der Strecke zurechtkommen und uns weitere Boxenstopps erspart blieben.

Günther fand schnell in seinen Rhythmus und fing an konstante 2:15er und 2:16er Zeiten zu fahren. Dadurch gelang es ihm, sich ein wenig im GT4 Feld vor zu arbeiten. In der 48. Runde kam vor ihm der 9. platzierte der GT4 Klasse aus der Box gefahren und von da an zeigte Günther Heldt, welche Pace er mitgehen konnte. So konnte Günther ihm knapp 10 Runden lang sehr gut an der Stoßstange kleben, ehe sein Pace kurzzeitig langsamer wurde.

In der 69. Runde profitierten wir dann von einem Ausfall des Teams „Laps @ Racing Team #999“ in der 54. Runde und gaben im Gesamtklassement die rote Laterne endlich ab. Ob die Freude über den Platzgewinn, die nun tiefstehende Sonne oder Rachegedanken zum kleinen Auffahrunfall führten, werden wir vermutlich nie in Erfahrung bringen.

Fakt ist jedoch, dass Günther in der 70. Runde beim anbremsen auf die Hairpin versehentlich auf den 2. im Gesamtklassement aufgefahren ist, wodurch dieser sich auf der Strecke drehte und auf den 3. Platz zurück gefallen war. Vielleicht war es die Ironie des Schicksals oder einfach nur das Karma, dass Günther ausgerechnet auf den Wagen leicht aufgefahren ist, der uns in der 10. Runde mit einem leichten Schubser in die Streckenbegrenzung geschickt hatte und einen langen Boxenstopp mit sich zog. Vielleicht haben wir sogar dafür gesorgt, dass er so das Rennen nicht gewinnt, da er mit 16 Sekunden Rückstand auf den Gesamtsieger ins Ziel gekommen ist.

Danach fuhr Günther jedoch wieder einwandfrei und hatte bis zum nächsten Boxenstopp und damit Fahrerwechsel, nur noch eine kleine Begegnung in der 73. Runde mit einem ungeduldigen (R)Audi Fahrer, der nicht schnell genug in Turn 3 an uns vorbei kommen konnte.

In der 89. Runde habe ich dann wieder das Auto übernommen und freute mich darauf in die Dunkelheit zu fahren. Schnell fand ich in meinen Rhythmus und fuhr konzentriert meine Runden, bis in der 97. Runde das Schicksal es mal wieder nicht gut meinte mit mir.

In der Sunset Bend konnte ein Audi aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit, leider sein Fahrzeug nicht kontrollieren und ich nahm an der Sebring Flugshow teil. Zum Glück kam ich noch vor der Boxeneinfahrt zum stehen und konnte mich so gleich zur Reparatur begeben. Es ließ sich nicht vermeiden, dass die Einfahrt in die Box nicht regulär erfolgen konnte, aber die Stop and Go Strafe haben wir gerne mitgenommen.

Obwohl wir noch ein Fast Repair hatten, haben wir uns diesen trotzdem noch aufgespart. Es waren immerhin noch fast 3 Stunden zu fahren und es konnte noch viel in der Dunkelheit passieren. Also mussten wir fast 19 Minuten warten, bis ich wieder losfahren konnte. Es war eigentlich ein recht unauffälliger Stint für mich, wären da nicht die restlichen Fahrer. So gab es nochmal einen ordentlichen Adrenalinschub in der 126. Runde, als in Sunset Bend kurz vor der Start/Ziel Geraden mal wieder eine Kollision uns fast zum Verhängnis wurde.

Diesmal hatte ich jedoch Glück und konnte mich gerade noch aus der Affäre ziehen. Es dauerte jedoch nicht lange und ein Fahrfehler sorgte dafür, dass ich mit dem Auto wegrutschte und eine Kollision versucht hatte. Bei der Anfahrt auf Kurve 13 (Tower) bin ich mit dem linken Hinterreifen kurz aufs Gras gekommen und das Auto brach aus. Es war jedoch nur eine leichte Kollision und ich konnte noch die letzten Runden von meinem Stint zu Ende fahren.

In der 134. Runde hat dann Günther Heldt nochmal das Steuer für die letzten 1,5 Stunden übernommen. Es schien ein ruhiger letzter Stint zu werden. Alle Fahrer hatten sich an die Lichtverhältnisse gewöhnt und spulten routiniert ihre Runden ab. Aber wie der Zufall es so wollte, mussten wir nochmal eine unverschuldete Kollision in der letzten Kurve Sunset Bend in der 147. Runde mitnehmen. Ein anderer BMW Fahrer wurde in der Kurve leider zu weit nach außen getragen und hat Günther dadurch einen kleinen Rempler mit dem Heck verpasst. Infolge dessen brach unser Wagen aus und knallte vorne rechts leicht in die Mauer. Ohne jedoch einen bemerkbaren Schaden zu hinterlassen.

Bis zum Rennende, wäre es dann fast ohne weitere Zwischenfälle, weiter gegangen. Aber wir hatten nicht ohne Grund die Startnummer #13 auf unserem Auto kleben. Wie der Zufall es so wollte, passierte es natürlich in der letzten Runde. In Turn 16 (LeMans) kam Günther beim einlenken auf die Ullman Straight leicht aufs Gras und verlor die Kontrolle über das Auto. Den nicht mehr zu verhindernden Einschlag in die Mauer, hat unser Schicksal sogar mit einem Feuerwerk gefeiert.

Was hatten wir uns eigentlich für das Rennen vorgenommen? Einfach nur im Ziel ankommen, egal mit welcher Platzierung und Erfahrung als Teamfahrer zu sammeln. Aber irgendwer oder irgendwas hatte etwas dagegen, dass wir das Ziel erreichen sollten und Günther hatte nach dem Einschlag in der Mauer, ebenfalls das Vergnügen als Dampflok über die Strecke zu fahren.

Die bange Frage, die wir uns stellten. Schafft Günther es noch ins Ziel oder stirbt er vorher an einer Rauchvergiftung? Nachdem er das Auto immerhin wieder auf 126 km/h beschleunigt hatte, hat sich der Motor dann endgültig mit einer schwarzen Qualmwolke und einem letzten Knall verabschiedet. Das Auto war jetzt nur noch ein Roller und Günther ließ den Wagen einfach nur noch rollen, um hoffentlich die ca. letzten 1.100 Meter noch ins Ziel zu schaffen. Leider hat die vorher aufgenommene Beschleunigung, nur noch bis kurz vor die letzte Kurve Sunset Bend gereicht und dementsprechend war dann auch unsere Laune.

Aber unser Schicksal hat seine Rechnung ohne unseren geschätzten Teamkollegen Alexander Höltke von WS Racing eSports Blue gemacht. Er erkannte unsere missliche Lage und heftete sich an unserer Heckstoßstange, um uns ins Ziel zu schieben. Jetzt wissen wir auch endlich, was ein richtiger Heckantrieb ist.

Dank der Hilfe von Alexander Höltke hat Günther unser Auto dann doch noch über die Ziellinie gebracht und wir waren froh, dass Rennen nicht mit einem Totalausfall in der letzten Runde beendet zu haben. Dank einiger Ausfälle haben wir das Rennen auf dem 51. Platz im Gesamtklassement beendet und bedanken uns bei den Organisatoren für dieses wunderbare Charity Rennen.

Format: Endurance
Liga/Event: 6h against Blood Cancer
Fahrer: Günther Heldt / Frank Herwig (Team: WS Racing eSports Grey)
Rennbericht: „Sebring und die verflixte Startnummer #13“

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